Radiosynoviorthese (RSO)

Was ist Radiosynoviorthese?

Der Begriff Radiosynoviorthese ist von lateinisch "Radius" (Strahl) und griechisch "Synovia" (Schleimhaut) bzw. "Orthese" (Korrektur von Gliedmaßen oder Gelenken) hergeleitet. Gemeint ist eine Behandlung krankhaft veränderter Gelenkschleimhaut durch lokale Strahlenanwendung. Das Verfahren wird seit über 50 Jahren mit Erfolg angewendet, ausübende Fachrichtung ist die Nuklearmedizin.

Wie wird das Verfahren angewendet?

Durch die lnjektion eines geeigneten Radionuklids in das erkrankte Gelenk wird die entzündlich veränderte und verdickte Synovia bestrahlt, ohne Knochen oder Knorpel zu schädigen. Die Bestrahlung bleibt überwiegend auf die Synovia beschränkt, da die Strahlung der verwendeten Radionuklide (Betastrahlung) eine maximale Reichweite von nur wenigen Millimetern aufweist. Die erforderliche Strahlungsdosis ist abhängig von Aktivität, Energie und der Halbwertszeit der verwendeten Radionuklide. Um eine therapeutisch ausreichende Dosis in Abhängigkeit von Dicke und Oberfläche der Synovia zu erreichen, werden unterschiedliche Radionuklide eingesetzt. Die Menge des radioaktiven Arzneimittels bei intraartikulärer Injektion richtet sich nach der Größe des Gelenkes und dem Ausmaß der entzündlichen Aktivität, die klinisch und ggf. mit ergänzenden Verfahren zu beurteilen ist.  Während Ytriumkolloide ausschließlich im Kniegelenk Verwendung finden, können Rheniumkolloide in mittelgroßen Gelenken (Schulter, Ellbogen, Hand-  und Sprunggelenk) und Erbiumkolloide in kleinen Gelenken (v. a. Finger- und Zehengelenke) eingesetzt werden. Die Behandlung dauert einschließlich Vor- und nachbereitung und Verteilungsaufnahmen (Ausnahme: Erbium 169) meist nicht länger als 30 min.

Welche Gelenkerkrankungen werden behandelt?

Entzündliche chronische Polyarthritis oder "Rheuma", aktivierte Arthrosen, Hämophilie-Arthritis,  nach operativer Synovektomie insbesondere bei villonodulärer Synovialitis,  Kristallarthropathie, seronegative Spondarthropathien (i. R. einer Psoriasis, reaktive Arthritiden, i. R. einer entzündlichen Darmerkrankung, i. R. eines M. Bechterew).

Wann darf die Therapie nicht durchgeführt werden?

Die Behandlung darf in der Schwangerschaft oder Stillperiode, bei massiven Gelenkblutungen oder infektiösen Erkrankungen im Bereich der zu behandelnden Gelenkregion nicht durchgeführt werden.

Mit welcher Strahlenbelastung muss man rechnen?

Eine gezielte Durchleuchtung mit arthrographischer Kontrastmittelinjektion in das zu behandelnde Gelenk hilft dem Arzt, das radioaktive Arzneimittel punktgenau zu platzieren. Hierbei werden ein maximaler Effekt im Gelenk bei gleichzeitig vernachlässigbar geringer Strahlenbelastung für den Körper gewährleistet.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Nebenwirkungen sind insgesamt sehr selten. Eine vorübergehende Schmerzhaftigkeit des Gelenks nach der Injektion bessert sich meist innerhalb weniger Tage ohne Therapie. Infektionen durch Keimeintrag während der Injektion können wirkungsvoll durch strenge Einhaltung der Sterilität reduziert werden. Gewebsschäden im Bereich der Einstichstelle oder Schäden an Lymphgefäßen sind ebenfalls selten. Um ein Austreten der Substanz zu verhindern, wird das behandelte Gelenk für 48 Stunden mittels Verband und Schiene ruhig gestellt. Das bedeutet auch, dass vom Führen eines Kraftfahrzeugs nach der Behandlung abzuraten ist.

Welche Voruntersuchungen sind erforderlich?

Notwendige Voruntersuchungen umfassen neben der klinisch-fachärztlichen Untersuchung der erkrankten Gelenkregion auch bildgebende Verfahren und hier v. a. die Mehrphasenskelettszintigraphie, welche sowohl entzündliche als auch degenerative Veränderungen nachweisen kann, weiters sind konventionelle Röntgendiagnostik, MRT und Gelenksonographie von großer Bedeutung. Die Untersuchungen sollten nicht länger als 6 Monate zurückliegen.

Wie sind die Erfolgsaussichten der Therapie?

Wichtig ist die konsequente Patientenauswahl, daher hängt von den Ergebnissen der Voruntersuchungen einiges ab. Der endgültige  Behandlungseffekt ist manchmal erst nach Wochen - Monaten zu beurteilen. Bei optimaler Auswahl und Durchführung ist je nach Zustand des Gelenks bei 40-80% der Patienten innerhalb von 3-4 Monaten mit einem Rückgang von Schmerzen und entzündlichen Schwellungen zu rechnen. Der Effekt kann über Jahre anhalten. Eine ursächliche Behandlung einer begleitenden Arthrose ist aber nur operativ möglich!

Welche Nachsorge ist notwendig?

Eine zeitnahe Rückmeldung (4-6 Tage nach der Injektion) wird vereinbart. Bei unvorhergesehenen Problemen sollte der Patient sich beim Therapeuten wieder vorstellen. Eine ambulante Kontrolluntersuchung ist nach 4-6 Monaten sinnvoll, dann kann auch über eine ggf. notwendige Fortsetzung der Behandlung befunden werden.

Werden die Behandlungskosten von der Krankenkasse erstattet?

Die Behandlungskosten werden erstattet, für die Patienten entstehen keine Zusatzkosten. Die Patienten sind gehalten, bei Verhinderung, z. B. durch Krankheit, ihren Termin spätestens 1 Woche vorher abzusagen, da die verwendeten Radiopharmaka individuell bestellt und nicht aufbewahrt werden.